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Einfach selbstbestimmt– Wie du dich Schritt für Schritt weiterentwickeln kannst

Aktualisiert: 27. Jan. 2025

Hast du dich schon einmal gefragt, warum du in bestimmten Situationen so reagierst, wie du es tust? Was dich wirklich motiviert? Oder wie du trotz Stress und Herausforderungen in gutem Kontakt mit dir selbst bleiben kannst? Die Antworten auf diese Fragen eröffnen dir nicht nur wertvolle Erkenntnisse über dich selbst, sondern ermöglichen es dir, dein Leben bewusst und selbstbestimmt zu gestalten.


In diesem Beitrag wirst du verstehen, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, welche Faktoren Motivation beeinflussen, warum Stress auch eine Chance sein kann und wie du dir selbst mit mehr Mitgefühl begegnen kannst.


1. Wie sich Persönlichkeit entwickelt

Unsere Persönlichkeit ist nicht festgelegt, sondern entwickelt sich im Laufe unseres Lebens – sie ist ein dynamisches Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Erfahrungen. Ein Großteil dieser Entwicklung findet in den ersten Lebensjahren statt, da hier unsere Bindungen und frühen Beziehungen besonders prägend sind. Diese frühen Bindungen, besonders die zu unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen, schaffen ein Fundament für das Vertrauen in uns selbst und die Welt. Laut der Bindungstheorie von John Bowlby spielen sichere Bindungen eine entscheidende Rolle dabei, wie resilient und emotional stabil wir später im Leben sind. Kinder, die sichere Bindungen erleben, haben ein höheres Maß an Vertrauen in sich selbst und ihre Umgebung, was es ihnen leichter macht, mit Stress und Schwierigkeiten umzugehen.

Aber hier kommt die gute Nachricht: Unsere Persönlichkeit bleibt auch im Erwachsenenalter formbar. Laut der Studie von Brent Roberts und seinen Kollegen (2006) lässt sich unsere Persönlichkeit auch noch im Erwachsenenalter verändern. Dies geschieht nicht einfach von selbst, sondern kann aktiv durch bewusste Selbstreflexion, das Sammeln neuer Erfahrungen und das gezielte Anpassen von Verhaltensweisen angestoßen werden. Positive Lebensereignisse, wie der Wunsch, besser mit Stress umzugehen oder emotional ausgeglichener zu werden, können diese Veränderungen oftmals beschleunigen. Menschen, die bewusst an ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeiten und sich neue Ziele setzen, erleben oft eine tiefgreifende Veränderung ihres Verhaltens und ihrer inneren Haltung.


Tipp: Nimm dir regelmäßig Zeit, um über die prägenden Muster nachzudenken, die dich heute noch beeinflussen. Welche sind förderlich für dich und welche möchtest du bewusst loslassen? Ein aktiver Veränderungsprozess beginnt mit der Einsicht in diese Muster.


Quelle: Roberts, B. W., Walton, K. E., & Viechtbauer, W. (2006). Personality change in adulthood. Current Directions in Psychological Science, 15(1), 31-35. https://doi.org/10.1111/j.0963-7214.2006.00387.x

2. Motivation verstehen: Was treibt dich an?

Kennst du das Gefühl, manchmal voller Energie und Tatendrang zu sein und an anderen Tagen keinerlei Antrieb zu verspüren? Der Schlüssel zu dieser Schwankung liegt in der Motivation. Motivation ist eine treibende Kraft in unserem Leben, die uns dazu anregt, Ziele zu verfolgen, Herausforderungen zu meistern und uns weiterzuentwickeln. Es gibt zwei grundlegende Arten der Motivation: intrinsische und extrinsische Motivation.


Intrinsische Motivation entsteht, wenn wir etwas aus Freude, Interesse oder innerer Überzeugung tun. Diese Art der Motivation ist oft nachhaltiger und erfüllender, da sie nicht auf äußeren Belohnungen basiert. Ein Beispiel könnte sein, dass du ein Hobby ausübst, weil es dir Spaß macht, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Extrinsische Motivation hingegen entsteht durch äußere Anreize wie Belohnungen, Anerkennung oder Status. Diese Art von Motivation kann kurzfristig sehr leistungsfähig sein, jedoch oft nicht die gleiche langfristige Zufriedenheit bringen.


Ein wichtiger Faktor, der die Motivation zusätzlich steigern kann, ist das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Der Psychologe Albert Bandura hat dieses Konzept formuliert, und es beschreibt den Glauben an die eigene Fähigkeit, durch eigenes Handeln Veränderungen zu bewirken. Menschen, die an ihre Selbstwirksamkeit glauben, sind oft motivierter, Herausforderungen anzunehmen und sich neuen Aufgaben zu stellen. Sie sind überzeugt, dass ihr Handeln einen Unterschied machen kann. Eine wichtige Erkenntnis: Kleine Erfolge stärken diesen Glauben und fördern die Motivation langfristig.


Tipp: Starte mit kleinen, erreichbaren Zielen, und konzentriere dich auf Fortschritt anstatt auf Perfektion. Jeder kleine Erfolg wird deine Motivation stärken.


Quelle: Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. W. H. Freeman and Company.

3. Stress: Eine Herausforderung und eine Chance

Stress wird in der Regel als negativ wahrgenommen, aber er kann auch eine wertvolle Chance sein. Es gibt zwei Arten von Stress: Eustress und Distress. Eustress ist der positive, herausfordernde Stress, der uns motiviert, uns anzustrengen und zu wachsen. Dieser Stress kann uns dazu anregen, Herausforderungen zu meistern und über uns hinauszuwachsen. Distress, auf der anderen Seite, entsteht, wenn wir uns überfordert fühlen und das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren.


Studien, wie die von Crum et al. (2017), zeigen, dass die Wahrnehmung von Stress einen großen Einfluss auf unsere körperliche und psychische Reaktion hat. Menschen, die Stress als Herausforderung und nicht als Bedrohung sehen, können besser mit stressigen Situationen umgehen und erfahren weniger negative gesundheitliche Auswirkungen. Diese Forschung legt nahe, dass der Glaube, dass Stress uns nicht nur schadet, sondern auch zu Wachstum und Leistungssteigerung führen kann, die Auswirkungen von Stress positiv beeinflussen kann.


Tipp: Sieh Stress als Signal – er zeigt dir, was du brauchst. Brauchst du mehr Ruhe oder mehr Fokus? Lerne, Stress als Chance zur Reflexion und zur Verbesserung zu nutzen.


Quelle: Crum, A. J., Salovey, P., & Achor, S. (2017). Rethinking stress: The role of mindsets in determining the stress response. Journal of Personality and Social Psychology, 113(5), 874–891. https://doi.org/10.1037/pspi0000096

4. Dich selbst besser verstehen: Der Weg zu innerer Balance

Selbstreflexion ist ein wesentlicher Bestandteil der Selbstbestimmung. Sie ermöglicht es uns, in Kontakt mit uns selbst zu bleiben, unsere Gedanken und Gefühle zu erkennen und unsere Bedürfnisse zu verstehen. Eine gute Praxis ist es, sich regelmäßig folgende Fragen zu stellen:

  • Was brauche ich gerade wirklich?

  • Welche Gedanken und Glaubenssätze halten mich zurück, und welche beflügeln mich?

  • Wie kann ich in herausfordernden Momenten für mich selbst sorgen?


Selbstmitgefühl ist eine zentrale Fähigkeit, die dir hilft, in schwierigen Momenten ruhig und mitfühlend mit dir selbst zu sein. Kristin Neff, eine führende Expertin auf diesem Gebiet, hat in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass Selbstmitgefühl das emotionale Wohlbefinden fördert und das psychische Immunsystem stärkt. Menschen, die sich selbst mit Mitgefühl begegnen, sind besser in der Lage, mit Stress und schwierigen Emotionen umzugehen und sich von Rückschlägen schneller zu erholen.


Es ist jedoch wichtig, den Unterschied zwischen Selbstmitgefühl, Selbstmitleid und Selbstkritik zu verstehen. Während Selbstmitgefühl eine freundliche und geduldige Haltung gegenüber sich selbst fördert, führt Selbstmitleid häufig zu einer Opferhaltung, die unser Gefühl von Kontrolle und Handlungsfähigkeit mindert. Selbstkritik wiederum ist ein harscher innerer Dialog, der oft den Selbstwert angreift und uns in einer „Ich bin nicht gut genug“-Mentalität festhält.


Tipp: Versuche, dich selbst in schwierigen Momenten so zu behandeln, wie du eine gute Freundin behandeln würdest – mit Geduld, Mitgefühl und Unterstützung.


Quelle: Neff, K. D. (2011). Self-compassion: The Proven Power of Being Kind to Yourself. HarperCollins.

Zusammenfassung: Tipps für mehr Selbstbestimmung

  • Reflektiere prägende Muster: Welche Erfahrungen prägen dich noch heute? Entscheide bewusst, welche du behalten möchtest und welche nicht.

  • Stärke deine Motivation: Finde heraus, warum dir ein Ziel wichtig ist, und arbeite in kleinen Schritten daran. Erfolgserlebnisse stärken dein Vertrauen.

  • Nutze Stress als Chance: Sieh Stress als Signal, das dir zeigt, was du brauchst. Fördere positiven Stress und lerne, negativen Stress zu reduzieren.

  • Übe Selbstmitgefühl: Begegne dir selbst mit Geduld und Freundlichkeit – so, wie du mit einer engen Freundin sprechen würdest.

  • Gehe kleine Schritte: Selbstbestimmung ist ein Weg. Kleine Änderungen und Geduld führen langfristig zu nachhaltiger Veränderung.


Es ist dein Leben, und du hast die Fähigkeit, es in die Richtung zu lenken, die dich glücklich macht. Sei mutig, bleib bei dir und vergiss nicht, wie viel du bereits geschafft hast. Denn jeder Schritt zählt auf dem Weg zur Selbstbestimmung.



Quellen:
  • Roberts, B. W., Walton, K. E., & Viechtbauer, W. (2006). Personality change in adulthood. Current Directions in Psychological Science, 15(1), 31-35. https://doi.org/10.1111/j.0963-7214.2006.00387.x
  • Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control. W. H. Freeman and Company.
  • Crum, A. J., Salovey, P., & Achor, S. (2017). Rethinking stress: The role of mindsets in determining the stress response. *Journal
 
 
 

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